Renan Laru-an

Der Kongress der Diktatoren

Zu Beginn waren es Flüchtigkeit und Sprunghaftigkeit der Reden von Diktatoren, die den Kurator Renan Laru-an faszinierten. Auf dem Forecast Forum konzentrierte er sich darauf, über Prints und Drucke derartige Reden in einen Ausstellungskontext zu überführen. Doch der enge Austausch mit seinem Mentor Hou Hanru hat ihn dazu bewogen, eine neue, vielversprechende Richtung einzuschlagen: Was, wenn die Reden dieser Diktatoren nicht nur reproduziert, sondern wiederaufgeführt werden würden? Und überhaupt: Wie hängen solche Reden eigentlich mit den konkreten Orten zusammen, an denen sie gehalten werden?

Erst jüngst kam Laru-an von einer Reise nach Manila zurück, wo er ein Kongresszentrum besuchte, das der Diktator Ferdinand Marcos und seine Frau Imelda erbaut hatten. „Es war das erste Mal, dass ich in diesem Kongresszentrum war. Es hat mich überrascht zu sehen, wie sehr die Atmosphäre derjenigen im Haus der Kulturen der Welt gleicht“, sagt der Kurator mit Verweis auf das Westberliner Kongresszentrum aus der Nachkriegszeit, in dem das Forecast Festival stattfindet. „Während der Diktatur spielte das Kongresszentrum eine herausragende Rolle … seine Lobby ist beinahe identisch mit der des HKW.“

Je mehr er sich mit der Materie auseinandersetzte, desto größer wurde Laru-ans Faszination für die Räumlichkeiten und Architekturen diktatorischer Macht. Nach seinen jüngsten Unterhaltungen mit Hou rückte das Gebäude des HKW in den Fokus – ein Bau, der von einer deutsch-amerikanischen Stiftung finanziert und Westdeutschland als ein wirkmächtiges politisches Symbol überlassen wurde.

Im Gespräch stimmte Laru-an mit der Beobachtung des künstlerischen Direktors von Forecast, Freo Majer, überein, „dass es sich beim Auditorium des HKW um einen Raum für politische Zwecke handelt. Er wurde für politische Ansprachen gebaut. Hier gab es Reden, hier wurden Zigarren geraucht und Notizen gemacht.“

Fasziniert von der Bühnenarchitektur beider Auditorien wie von den Reden, für die sie gebaut worden sind, ist Laru-an momentan damit beschäftigt, wie man den Besuchern von Forecast die Atmosphäre der Macht aus dem philippinischen Kongresszentrum vermitteln könne. Doch bevor sich der Kurator an die Arbeit machen kann, gilt es noch ein paar Hürden aus dem Weg zu räumen. „Architekten wurde schon immer mit Diktatoren assoziiert“, merkt Laru-an an. „Die Behörden haben Bedenken wegen meines Projekts. Aber sobald wir die Genehmigung vom Kongresszentrum bekommen, können wir weiter machen.“

 

Photos: PICC